Marathon in Barcelona

Am Wochenende ist es endlich soweit: Der erste Wettkampf in diesem Jahr steht vor der Tür. Die Reise, in der wir Sightseeing und ein Sportevent miteinander verknüpfen wollen, führt uns in diesem Jahr nach Barcelona. Ich hatte 2007 schon einmal das Vergnügen nach Katalonien zu Reisen und freue mich besonders darauf in dieser wunderbaren Stadt dem Alltag in vielerlei Hinsicht zu entfliehen.

Seit einigen Jahren spielt der Barcelona-Marathon bei unserer Suche nach einem Frühjahrsmarathon eine Rolle. In diesem Jahr passt es; Felix und ich werden starten.

Mit meinen Vorbereitungen auf diesen Lauf bin ich nicht so recht zufrieden. Trainiert habe ich nach einem Trainingsplan von runners-world.de (Zielzeit: 3:30:00). Zuletzt haben mich vor Allem dienstliche Verpflichtungen im Zusammenspiel mit dem späten Wintereinbruch vom regelmäßigen Training abgehalten. Gefühlt habe ich die Vorgaben aus dem Plan etwa zu 70 % erfüllt. Dennoch habe ich seit vielen Monaten wieder qualitativ ordentliches Tempotraining absolviert.

Für die obligatorische Vorhersage meiner Zielzeit stehle ich mich dieses Mal aus der Verantwortung, indem ich das Trainingstool SportsTrack befrage. Ich habe meinen Halbmarathon-Testwettkampf von Anfang Februar im Programm geladen und mit Performance Preditor (PlugIn) meine Zielzeit ermitteln lassen.

Das Ergebnis ist durchaus realistisch wie ich finde:

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Per Anhalter auf dem Damenrad

“Das wichtigste Mentaltraining im Ausdauersport ist die Einhaltung eines komplexen Trainingsplanes. Wenn man bei Wind und Wetter seine planmäßigen Trainingseinheiten abspult, kann Dich im Wettkampf nichts überraschen”.

Ich glaube es war Bennie Lindberg, bei dem ich ‘s sinngemäß so gelesen habe.

Vor dem Lauf: Lars und JensNun, ich bin gerade in Vorbereitung auf meinen nächsten Marathon und wenn die Zeit es zulässt versuche ich eisern meinen mir selbst auferlegten Trainingsplan zu erfüllen. Für einen planmäßigen Halbmarathon Testwettkampf findet sich im Februar allerdings kein passender Wettkampf. Im Rahmen eines Trainingswettkampfes will ich also einen Halbmarathon simulieren. Dafür bietet sich die Goitzsche an. Eine Seerunde geht über 25 Kilometer. Zwei Kilometer Einlaufen, Halbmarathon-Testlauf, zwei Kilometer Auslaufen. Soweit der Plan. Mit Andreas und Lars, zwei befreundeten Sportlern, startete ich am Bitterfelder Leichtathletikstadion. Während Lars eine sehr ruhige zehn Kilometer Wendepunktstrecke angehen will, nimmt sich Andreas ebenfalls die Seerunde vor.

“Kann ich mich auf dieser Runde verlaufen?” Seine Frage, tue ich mit einem leichtfertigem Witz ab. Immer rechts halten rate ich ihm mit einem Grinsen (wir laufen die Runde im Uhrzeigersinn). Bereits nach wenigen Kilometern bin ICH es dann aber der sich verläuft. Ich biege zu früh ab und verlasse damit den Weg der Seerunde. Nach einem Umweg über fünf Kilometer finde ich zurück auf die planmäßige Strecke. Seit langer Zeit laufe ich wieder konstant unter 4:30 min/km im Schnitt. Im letzten Drittel der Strecke komme ich erneut vom Weg ab. Diesmal finde ich die Strecke nicht wieder. Einen Fluss, vor dem ich plötzlich stehe, durchwate ich ohne nachzudenken. Eiskaltes Wasser bei 3°C Außentemperatur. Als ich den Halbmarathon-Test erfolgreich beendet habe (1:35:40) führt mich dieser Weg in eine Sackgasse. Ich kehre um und durchwate den Fluss ein zweites Mal. Ich habe keine Ahnung mehr wo ich bin – mitten im Wald.

Bitterfelder Goitzsche

Ich biege wahllos mal links, mal rechts ab, denn ich kann mich gar nicht mehr konzentrieren. Ich habe mittlerweile 32 km auf der Uhr. Im Wald ist keine Mensch zu sehen und es herrscht völlige Stille. Ich habe keine Ahnung wo ich bin. Langsam mache ich mir Sorgen. Ich bin dehydriert und fürchte einen Hungerast, denn zum Frühstück hatte ich nur eine Banane. Ich habe weder Verpflegung noch ein Handy dabei. Da taucht vor mir eine Radfahrerin aus dem Wald auf. Ich halte sie an. Der nächste Ort ist zwar Bitterfeld- unser Ausgangsort – wie sie mir sagt, doch ich laufe in die entgegengesetzte Richtung. Ich muss umkehren. Es sind noch 30 min auf dem Rad sagt sie mir. Ich bin völlig fertig.

In meiner Verzweiflung frage ich die gute Frau, ob sie mich ein Stück auf Ihrem Gepäckträger mitnehmen würde. Das klingt jetzt im Nachhinein völlig verrückt, erscheint mir aber in diesem Moment sehr plausibel. “Wir können es gern versuchen” sagt sie mit einem breiten Lächeln. Ich steige auf. Die Muskeln schmerzen. Ich merke sofort, dass sie keine Luft auf dem Hinterreifen hat. Wir fahren auf der Felge. Nach einigen Hundert Meter gibt Sie mir ihr Handy, so kann ich die beiden Kollegen, die sicher schon lange auf mich warten informieren. Währenddessen verrät mir meine Radlerin mit ihrem breiten Grinsen, dass sie auch Läuferin sei. Ich solle mit ihrem Rad nachkommen, sie läuft schon mal vor. Während sie losläuft, rufe ich mein eigenes Handy im Auto an. Glücklicherweise nimmt Lars ab. Er bringt mich nun völlig aus dem Gleichgewicht. Er schwört Stein und Bein, dass er mich eben am Auto vorbeilaufen sah. “Das glaube ich nicht”, sage ich schwach. Ich war doch die ganze Zeit allein im Wald. Ganz sicher bin ich mir aber nicht mehr.

Vor dem Lauf: Lars und AndreasEine Verwechslung wie sich später herausstellt. Ich sage Lars er soll warten, ich komme. Dann steige ich auf das Damenrad ohne Luft im Hinterreifen und folge der nun laufenden Radlerin. Als ich sie einhole, ist sie außer Atem. Nun möchte sie sich auf den Gepäckträger setzen, während ich das Rad fahre. So machen wir es. Das muss ein Bild sein: Ich fahre abgekämpft auf einem Damenrad ohne Luft in den Reifen, eine Dame mit breitem Lächeln auf dem Gepäckträger. Nachdem ich mich ein wenig erholt habe und nun auch sicher wie ich zurück zum Auto komme, steige ich ab und laufe wieder. Meine Radlerin begleitet mich, immer noch mit einem breiten Lächeln, auf Ihrem Rad und wir unterhalten uns. Sie ist Schwimmeisterin in der Schwimmhalle zu Bitterfeld.

Sie kommt meinetwegen zu spät zur Arbeit stelle ich fest. Kein Problem sagt sie, die Kollegen sind nett. Sie hat im Wald einen Menschen ganz sicher vorm Hunger- und Kältetod gerettet schlage ich ihr als Entschuldigung vor. Sie lächelt nur. So legen wir gemeinsam die letzten Kilometer bis zum Auto zurück. Während Andreas schon seit 45 min da ist, wartet Lars schon seit 1,5 Stunden. Insgesamt habe ich wohl um die 38 Kilometer zurückgelegt. Vor dem Zorn von Andreas, der sich ebenfalls verlaufen und statt 25 ca. 30 Kilometer in den Beinen hat, hat mich nur mein eigenes schlimmeres Schicksal gerettet. Nach ein paar Minuten und einem alkoholfreiem Bier lachen wir auf der Heimfahrt gemeinsam über diese unglaubliche Geschichte. Aber ich schwöre: Genau so hat es sich zugetragen!

Was habe ich gelernt?

Keine laaaaangen Läufe: …

    • …In unbekanntem Gelände
    • …ohne Blick auf die Karte
    • …ohne Notverpflegung
    • …ohne Handy

Besseres Mentaltraining als ein Training, bei dem man nicht weiß wohin und wie weit es noch geht ist schwer zu planen :-) (frei nach Brett Sutton)

Die Menschheit ist noch nicht verloren, solange es so nette positive Leute wie diese Radlerin gibt. Danke fürs Retten!

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Berlin Marathon 2012

Ein befreundeter Ausdauersportler pflegt immer den Ausspruch: “Wenn Du denkst es geht gar nix mehr, dann ist immer noch ein Marathon drin”. In diesem Sinne bin ich in diesem Jahr den Berlin Marathon gelaufen. Nach der Langdistanz bei der Challenge Roth im Juli und der anschließenden Trainingsunterbrechung bis Ende September war ich für einen Marathon denkbar schlecht vorbereitet. Da ich aber schon als Ersatzmann für Berlin engagiert wurde, kam eine Absage nicht in Frage. Dennoch waren keine Bestzeiten zu erwarten.

Was also tun mit einem der größten Marathonläufe der Welt (ca. 40.000 Starter), der für viele Läufer der Saisonhöhepunkt ist?

Die Idee: Ich wollte schon immer mal die Eindrücke eines großen Stadt-Marathon aus meiner Perspektive einfangen und einen kleinen Film daraus machen. Also habe ich meine Digitalkamera zum Lauf mitgenommen und meine Eindrücke vor dem Start, während des Laufes und aus dem Zielbereich aufgezeichnet. Das ganze war äußerst spontan. Bei der Aufnahme der Clips hatte ich keinen Plan was ich sagen wollte. Dem entsprechend musste ich über meine wenig abwechlungsreichen Einleitungen schmunzeln, als ich hinterher das Material für einen kurzen Film zusammengeschnitten habe. Ich sage nur: “So liebe Freunde…” :-)

Aber seht selbst:

Fazit: Es hat großen Spaß gemacht diesen sehr gut organisierten Marathon ganz ohne Druck in dieser wunderbaren Stadt zu Laufen. Die Stimmung war der Hammer

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Wie ich in Zofingen zum Powerman wurde

Kann ich das schaffen?

DSCN1597_klein“Bitte sei ehrlich zu mir! Denkst Du ich kann das wirklich schaffen?” Mein Bruder Felix schaut mich nach seiner Frage ganz ernst an. Ich sitze auf dem Beifahrersitz. Er sitzt am Steuer. Wir haben unsere Rennräder am Kofferraum seines Wagens befestigt und das Auto voller Sportsachen, Radequipement und Sportnahrung. Wir sind auf dem Weg nach Zofingen. Vor einigen Wochen haben wir uns für den Powerman Zofingen angemeldet. 10 Kilometer Laufen. 150 Kilometer Radfahren. 30 km Laufen. Alles in einem Wettkampf mit vielen Höhenmetern. Langdistanz-Duathlon nennen sie es. In diesem Jahr ist es gleichzeitig die ITU Weltmeisterschaft. Keiner von uns hat Erfahrung mit solchen Umfängen oder Höhenprofilen. Wir sind blutige Anfänger und schlecht vorbereitet. Das ahnen wir. Wir zweifeln an unserem Entschluss.

“Ja! Wenn Du ganz entspannt und ruhig herangehst. Sieh es als sehr, sehr lange Trainingseinheit!” höre ich mich auf die Frage von Felix antworten. Ich bin überzeugt von dem was ich ihm rate. Nur kann ich meinem eigenen Rat nicht folgen, wie sich später herausstellen wird.

Was machen wir eigentlich hier?

Die Anreise am Vortag des Wettkampfes verläuft reibungslos. Auf den Straßen des Ortes sind schon zahlreiche Athleten auf teuren Zeitfahrrädern unterwegs. Nach dem Einchecken im Hotel machen wir uns sofort auf den Weg zur Wettkampfbesprechung. Braungebrannte, drahtige, bunte Gestalten überall. Bei nicht Wenigen ist die legendäre rote Ironman-Tätowierung sichtbar. Ich fühle mich ein wenig fehl am Platze. Dieses Gefühl bekämpfe ich gewöhnlich mit Selbstironie.

Die Wettkampfbesprechung findet in einem großen Saal mit Beamer statt. Auf der Bühne erklärt ein Kampfrichter der ITU den Athleten Wissenswertes bezüglich der Strecke und dem Regelwerk. Umso mehr ich hier höre, desto flauer wird mir der Magen. Als es um die erste Laufstrecke über 10 km geht, meint der Einweiser “Dazu brauch ich ja nicht viel zu sagen. Die kennt ihr ja alle”. Felix und ich, wir schauen uns an und grinsen: “Genau erzähl’ uns etwas das wir noch nicht wissen” murmele ich und wir feiern uns. Im Laufe der Veranstaltung werden zahlreiche Details “enthüllt” und Profiathleten stellen Fragen, über die ich nicht im Traum nachgedacht hätte. Die Selbstironie und unser Grinsen wachsen: “Wir zwei Blinden! Was machen wir eigentlich hier?”

DSCN1602_kleinNach der Wettkampfbesprechung geht es ab ins Hotel. Im Fahrradkeller lagern schon mehrere Tausend Euro Radmaterial. Die Laufräder mancher Rennvelos sind mehr wert als unsere beiden “Esel” in Summe. Wieder ist da das Gefühl, dass wir irgendwie nicht richtig wissen was wir hier tun. Aber mir kommt immer wieder der Gedanke: “Egal, das schaffe ich! Ich muss das schaffen!”. Wir staunen und präparieren unsere Räder: Luftdruck, Gel, Riegel. Dann gibt es zum Abendessen einen Schweizer Döner. Die Lehrmeinungen darüber, ob das als Wettkampfvorbereitung optimal ist, sind gespalten.

In unserem Hotel sind außer uns auch noch US-amerikanische Athleten untergebracht. Einige von Ihnen hätten vom Körperbau her durchaus an der Seite von Russel Crow im Film Gladiator mitspielen können. Alle sind sie braungebrannt und tragen Nationalmannschaftskleidung. Das löst bei uns wieder dieses Gefühl aus. Aber auch wieder das Grinsen. Die US-Boys und deren Begleiter finden es – im Gegensatz zu uns – gar nicht witzig, dass im Hotelgebäude am Vorabend der Duathlon Weltmeisterschaft ein Heavy-Metal-Konzert stattfindet. Während wir uns mit einem Bier zu den “Metallern” gesellen, laufen sie wild gestikulierend und kopfschüttelnd umher und machen “Beweisfotos”. Wir finden es lustig!

003_kleinAm Morgen des Rennens machen wir uns auf den fünfminütigen Weg zur Wechselzone. Bike-Checkin, Wechselplatz finden und herrichten. Da für den Tagesverlauf Regen angekündigt ist, verstaue ich meine Radschuhe in einer Plastiktüte. Dann begeben wir uns in ein Dixiehäuschen und dann in Richtung Start. Viele der Athleten wärmen sich unterdessen in Form von Lauf-ABC und Steigerungsläufen für die nächsten Stunden auf. Ich muss wieder grinsen und verschwinde noch ein letztes Mal im “Dixieland”.

Bring mich um, oder mach mich härter!
10 km, erster Lauf  – Fortissimo statt Piano

Unmittelbar vor dem Start werden die Favoriten einzeln aufgerufen und vorgestellt: Andi Sutz (SUI), Thibaut Humbert (FRA), Joerie Vansteelant (BEL), Stefan Wrzaczek (AUT) und die ganze Bande. In den hinteren Reihen bekommen wir davon nicht viel mit. Startschuss. Und rein geht es in die erste giftige Steigung, Seite an Seite mit Felix. Während ich Felix noch zurufe, dass wir die ersten 10 km doch zusammen laufen können verschwindet er langsam hinter meiner linken Schulter. Ich sollte ihn für viele Stunden nicht wiedersehn. Das Wettkampffieber hat mich gepackt. Wie immer! Fortissimo statt Piano! In dieser Phase habe ich kaum Kontrolle über mein Tempo. Ich bin ferngesteuert. Bei irgendeinem derartig langen und harten Wettkampf wird das einmal mein Verderben sein. “Irgendwann aber nicht heute” sage ich mir jedes Mal. Es geht auf und wieder ab. Wir durchlaufen die Wechselzone und begeben uns auf eine zweite Runde. Zurück am Wechselplatz zeigt meine Uhr 42:30. Die Zeit durchdringt den Temporausch nicht. Ich bereite mich auf das Radfahren vor.

150 km, Rad – Vom Temporausch zur totalen Erschöpfung

2073993_orig Die Radstrecke besteht aus einer 50 km Runde mit ca. 650 Höhenmetern, die dreimal zu absolvieren ist.
Es gilt sich Einzurollen auf den ersten flachen Kilometern. Im Geiste fühle ich mich auf profilierten Strecken wohl. Aber die Erfahrung fehlt mir. Ich fahre erst seit sieben Monaten Rennrad, oder generell (wettkampforientiert) Rad. Vorher bin ich noch nie 150 km gefahren, geschweige denn ein solches Profil. Überhaupt bin ich bis dato erst dreimal mehr als hundert Kilometer gefahren. Doch auch das spielt nun alles keine Rolle. Temporausch. Die innere Stimme die zu einem moderaten Tempo mahnt, beschwichtige ich mit der These: “Ich könnte schneller fahren, da sind noch Reserven”. Davon bin ich in der ersten Runde überzeugt.

Es gibt zwei nennenswerte Berge die etwa drei Viertel der Höhenmeter umfassen und bis zu 18 % Steigung haben. Ich fahre alle Steigungen komplett (!) auf dem Aero-Aufsatz hoch. Wie dekadent und super dämlich wie sich später herausstellt. Die erste Runde schaffe ich in ziemlich genau 1:30:00. Somit steht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 33,33 km/h zu Buche. Ausrechnen kann ich das zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Immer wieder strecken sich mir Kinderhände entgegen und wollen abgeklatscht werden. Aus einer Gruppe von Kindern ruft mir ein Junge zu: “Bisch Schwitzer?” – “Deutscher” antworte ich. “Isch a guat” ruft er und alle feuern mich heftig an.

Auf der zweiten Runde bekomme ich wieder ein Gefühl dafür was ich in der ersten Runde so alles falsch gemacht habe. An den Bergen nehme ich jetzt Tempo raus und fahre Oberlenker. So wie meine Kräfte zur Neige gehen, schlägt auch langsam das Wetter um. Es beginnt leicht zu regnen. Obwohl der Kurs technisch wenig anspruchsvoll ist, gehe ich während der Abfahrten kein Risiko ein.

Ich lerne Gerhard kennen. Gerhard ist Deutscher und trägt einen Nationalmannschaftsanzug. Als ich auf Gerhard auffahre, äußerte er seine Freude darüber, nicht mehr alleine fahren zu müssen, da der Wind doch ziemlich zunimmt. Ja der Wind. Plötzlich spüre ich ihn auch. Wir tauschen ein paar Nettigkeiten aus und ich nehme Gerhard viele Kilometer mit. Die zweite Runde absolviere ich in 1:35:00, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 31,6 km/h entspricht. Der Regen nimmt zu. Gerhard hält sich ausschließlich hinter mir auf und schickt mich schließlich alleine auf die Reise. Viel Glück Gerhard. In der dritten Runde schwinden auch meine Kräfte dann zusehends und es deuten sich Krämpfe an. Beim Radfahren eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich habe Angst vor dem Krampf in eingeklicktem Pedal, aber immer noch nicht vor der Strecke. An den steilen Kanten bleibt mir mittlerweile nur eines übrig: Im leichtesten Gang vorsichtig in die Steigung fahren und einen Rhythmus finden, dann zwei, drei Gänge hochschalten.

2074282_orig Mittlerweile liegt Gischt über den Straßen. Als ich mich umdrehe bemerkte ich, dass sich einige Parasiten in meinem Windschatten befinden. Sie nutzen scheinbar die Tatsache aus, dass bei den Wetterbedingungen auch die Kampfrichtermotorräder nicht mehr zu sehen sind. Die Lutscher machen mich sauer. Das gibt mir wiederum die Kraft ordentlich Druck auf die Kette zu geben. Woher die kommt ist mir auch nicht klar, denn eigentlich bin ich schon mausetot. Für die Lutscher jedenfalls reicht es.

Nach 150 km geht es allein wieder Richtung Wechselgarten. Von weitem erspähe ich die Streckenposten am Eingang der Wechselzone. Zeit genug den Garmin vom Lenker an den Arm zu klicken. Klick! Noch den Radsplit herausstoppen. Piep! Als ich danach wieder aufsehe ist es fast zu spät. Die Streckenposten fuchteln wie wild mit den Armen herum. Knapp kann ich bremsen und einen Sturz vermeiden. Ich springe vom Rad. Bis dahin geht es noch, doch das ändert sich als meine Füße den Boden erreichen. Ich sacke förmlich ein und spüre auf einen Schlag furchtbare Erschöpfung in Beinen und im Rücken. Ich taumele zum Wechselplatz und beginne mir ernsthaft Sorgen zu machen. Warum bin ich nicht langsamer gefahren… am Anfang?! Die dritte Radrunde absolviere ich in 27,8 km/h deutlich langsamer. Ich benötige dafür 1:45:00.

30 km, zweiter Lauf – Die letzte Patrone

Wie soll das jetzt gehen? 30 km mit diesem Profil. Unvorstellbar. Ich bin jetzt schon total hin. Mehr Erschöpfung kann mein Körper nicht aushalten. Dennoch tue ich so, als wolle ich es versuchen. Die Verpflegung am Wechselplatz fällt umfangreich aus, ohne Zeitdruck. Schuhe wechseln, Stirnband um und los! Man ist das schwer. Die Beine. Der Rücken. Verdammt! Nicht Denken. Laufen. Die Zuschauer jubeln. Raus aus der Wechselzone. Direkt rein in den Berg. Schonungslos. Der erste Kilometer: 5:26 min. Noch nie war es so hart. Nie waren Körper und Geist so müde: Ich fühle mich um ein Vielfaches erschöpfter als nach einem Marathon und stehe doch erst ganz am Anfang eines 30 km Crosslaufes mit 750 Höhenmetern. Die Muskulatur ist fest. Im Rücken fühlt sie sich an als hätte ich zwei Stahlkabel rechts und links der Wirbelsäule. Der Rücken und die harte Steigung drücken meinen Oberkörper Richtung Boden. Ich bin allein im Wald. Weit und breit keine Zuschauer. Es geht nicht mehr! Ich muss gehen. Für mich ist Gehen im Wettkampf bis dahin ein absolutes Tabu. Ich könnte heulen. Aber Tränen kosten Salz und Wasser. Beides kann ich nicht entbehren. Ich bin sicher, dass es vorbei ist. Aufgeben!?

Ich versuche mich zu packen, an der Ehre, am Stolz: “Du hast gestern ein wunderschönes ‘Powerman-Zofingen-Radtrikot’ gekauft. Das kannst Du jetzt nicht wie geplant zum Radtreff auftragen. Das wirst Du öffentlich verbrennen müssen. Dann musst Du Dich schämen. Deine Freunde und Kollegen werden denken, Du bist schwach. Und Du bist schwach! Du hast es jedem erzählt der es hören wollte. Und den Anderen hast Du es auch erzählt. Powerman Zofingen, Weltmeisterschaft, Langdistanz im Duathlon, Du Bratwurst!”.

2072758_p Während ich mich selbst beschimpfe gehe ich zügig weiter. Es wird besser. Ich kann langsam wieder laufen. Langsam, aber es geht. Es bleibt die riesige Herausforderung. Drei Stunden noch. Ich glaube nicht, dass es reicht, aber ich kann laufen. Hin und wieder lege ich Gehpausen ein. Damit habe ich mich arrangiert. Ich höre andere Athleten schimpfen: “Das können die doch nicht mit uns machen. Diese Strecke! Diese Steigung! Das ist ja Wahnsinn!”. Ich sehe vor mir zwei US Boys (vielleicht sogar aus unserem Hotel) in Nationalfarben an einer Steigung gehen. Denen will ich es zeigen. Ich laufe vorbei, doch es zieht und krampft. Wenige Meter vor Ihnen muss ich auch gehen. “Das ist doch Scheiße!” sage ich laut. Sie lachen. Ich muss auch schmunzeln. Sie verstehen mich also.

Auf dem ersten Abstieg sehe ich Felix erstmals wieder. Er befindet sich auf seinen ersten Kilometern. Ich denke an meine ersten Kilometer zurück und rufe ihm zu: “Bleib dran! Es wird besser!”. Als er vorbei ist denke ich: “Junge der sieht gut aus! Viel besser als ich mich fühle! Der ist topfit! Und ich fühle mich so schlecht.“ Später wird er mir berichten, dass er sich sehr schlecht gefühlt hat und ich aus seiner Sicht fantastisch ausgesehen habe. Lustig.

Eine weitere interessante Erfahrung: Während ich an den steilen Anstiegen gehe machen die Muskeln an den Innenseiten der Oberschenkel zu. Das einzige was dagegen hilft ist Laufen. Beim Laufen wiederum streikt die hintere Oberschenkelmuskulatur. So spiele ich das Wechselspiel: Gehen/Laufen, Krampfvermeidung möglichst ohne Zeitverlust.

2072880_origMittlerweile hab ich zwei Drittel der Strecke mehr schlecht als recht hinter mich gebracht. Nun zieht sich der Himmel zu, dunkle Wolken ziehen auf – heftiger Wind. Es donnert und blitzt und beginnt wie aus Eimern zu schütten. Ich befinde mich gerade auf einer 200 bis 300 m langen völlig ungeschützten Geraden auf dem höchsten Punkt der Strecke über den Dächern von Zofingen. Plötzlich trifft es mich wie ein Schlangenbiss. Ein Krampf im hinteren Oberschenkel. Noch nie hatte ich einen so heftigen Krampf. Ich schreie laut! Ich kann meine Fußspitze nicht erreichen. Schmerzen. Während sich vorher viele Athleten hilfsbereit zeigten, will nun jeder diesen Höllenort verlassen. Niemand nimmt Notiz von mir. Wind und Regen peitschen mir ins Gesicht. Ich schreie vor Schmerzen. Ich bekomme meine Fußspitze endlich zu fassen und denke: Das kann doch nicht wahr sein, ein Krampf so heftig und kurz nach Beginn des Gewitters hier oben an der Wetterseite. Schicksal!? Ich brauche zwei Minuten um den Krampf vollständig zu lösen. Der Regen wäscht das Salz von meiner Haut. Ich kann es schmecken. Es brennt in den Augen. Ich laufe vorsichtig los. Der Oberschenkel scheint zu halten. Ich fühle mich erfrischt. Der Wind peitscht mir immer noch den Regen ins Gesicht. Ich muss schmunzeln: “Das gibt’s doch nicht! Hier oben!”. Ich schiebe das Kinn vor und bin jetzt wild entschlossen. Jetzt schaffe ich das! Ich rede mir ein: “Jemand will verhindern, dass Du das hier schaffst. Und das war seine letzte Patrone. Jetzt kann mich nichts mehr aufhalten.” Und so ist es auch. Die letzten Kilometer gehen nur noch bergab.

2069045_p Auf dem Abstieg kommt mir Felix ein zweites Mal entgegen. Der arme Kerl geht in die letzte Runde. Ich versuche ihm an Motivation alles zu geben, was ich kann. Ich rufe: “Jetzt schaffst Du es auch! Das lässt Du Dir nicht mehr nehmen!”. Er sieht gut aus. Er ist ein echter Kämpfer, der schafft das, da bin ich mir sicher!

Es bleibt bis zwei, drei Kilometer vor dem Ziel eine gewisse Unsicherheit! Doch dann weißt Du es! Du schaffst es. Grinsen. Die Startnummer ist mir auf einer Seite aufgeweicht und vom Band abgerissen, so dass ich sie beim Zieleinlauf komplett löse und euphorisch hochreiße. Ein “Arbeitstag” ist um: 8:27:37.

Ich glaube, dass ich das Gefühl, das ich nach der ganzen Quälerei, beim Erreichen des Ziels empfinde, nicht beschreiben kann. Deshalb versuche ich es auch nicht. Nur soviel: Es ist ein gutes Gefühl, sehr gut!

Ich bin gewachsen

Ich bin total glücklich. Stefan Ruf, der Organisator, begrüßt im Ziel alle persönlich mit Handschlag und hängt jedem Athleten die Medaille um. Ich wähle mein Finisher-Shirt und verpflege mich. Dann stelle ich mich wieder in den Zielbereich. Es regnet in Strömen. Die meisten Zuschauer sind deshalb fort – die Tribüne fast leer, doch ich will unbedingt dabei sein, wenn Felix ins Ziel kommt. Als er kommt strahlt er. Ich rufe dem Fotografen zu: “Mach ein Foto! Das ist mein Bruder!”. Er macht ein Foto. Felix empfängt seine Medaille und wir liegen uns in den Armen. Vor fast 10 Stunden sind wir als “Bratwürste” aufgebrochen.

Es dauert ein paar Tage bis wir die Leistung wirklich zu schätzen lernen. Noch Wochen später, als wir uns bereits erholt haben, erklären wir uns gegenseitig: “Weißt Du eigentlich was wir da in Zofingen geschafft haben?”. Wir sind Powermen. Wir haben den “härtesten Duathlon der Welt” geschafft wie Manche ihn nennen.

Was bringt eine solche Schinderei?

004Ich möchte folgendermaßen antworten: Ein befreundeter Langdistanztriathlet hat mir während des Trainings von einer Erfahrung berichtet. Er war in einer geschäftlichen Auseinandersetzung mit einem konkurrierenden Unternehmen. Unmittelbar vor einem Schlichtungstermin wurde er von einem Vertreter des Unternehmens gefragt: “Na haben Sie schon Angst?”. Seine Antwort lautete: “Angst? Wenn ich auf Kona, Hawaii vor dem Start der Weltmeisterschaft im Langdistanztriathlon vor dem Schwimmen im Meer treibe, habe ich ein klein wenig Respekt. Aber wegen dem bisschen Scheiße hier habe ich doch keine Angst!”

Das gefällt mir. Jeder kann seinen eigenen “Powerman Zofingen” oder “Kona, Hawaii” haben. Für den einen ist es vielleicht ein Marathon, für einen anderen ein 10 km Lauf.
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Außerdem teile ich diese Erfahrung mit meinem Bruder Felix. Das ist etwas ganz Besonderes, dass uns immer verbinden wird. Wenn wir von der Aufregung bei der Wettkampfbesprechung, von den 18%igen Radanstiegen, den harten Bergen beim 30 km Abschlusslauf, oder schlicht von einer über achtstündigen Ausdauerbelastung sprechen, dann wissen wir beide was Sache ist. Wir haben das beide gemeinsam zum ersten Mal gemacht. Wir haben die vorherige Anspannung und die Freude über den Erfolg geteilt. Das hatte ich so nicht ansatzweise erwartet. Allein das war es wert.

Man lernt sehr viel über sich selbst: Stärken, aber auch Schwächen. Ich wüsste nicht wie man sich sonst so intensiv in die eigene Seele blicken kann.

Ich komme wieder

Ich möchte unbedingt – da bin ich mir mit Felix einig – zurückkommen und mich dieser Herausforderung erneut stellen. Irgendwann…

GPS-Daten

Lauf – 10 km
Rad – 150 km
Lauf – 30 km

Links

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Powerman Zofingen – Eine anspruchsvolle Duathlon Langdistanz

Jeder der regelmäßig für lange Wettkämpfe – wie etwa Marathon – trainiert kennt das. Wenn der Wettkampf überstanden ist, sich Körper und Geist von den Strapazen erholt haben, dann kommt die große Leere: Was mache ich jetzt? Das Training und die Planung der vergangenen Wochen war auf den letzten Wettkampf ausgerichtet. Es werden Ressourcen frei. Diese wollen wieder eingesetzt werden. Das heißt: Ein neuer Wettkampf muss her! Etwas das Dich wieder von neuem fordert. Etwas woran Du weiter wachsen kann.

Genau so ging es mir nach dem Finish meiner Mitteldistanz im Triathlon in Moritzburg. Ich brauchte eine neue Aufgabe. Mein Bruder – mittlerweile in der Schweiz – brachte mich auf den Powerman Zofingen. Der Gedanke an einen Duathlon reizte mich, denn meine Schwäche ist das Schwimmen. Im April konnte ich beim Geiseltal-Duathlon trotz Sturz den sechsten Rang bei den Jedermännern belegen.

Bei den Duathlon-Weltmeisterschaften in Zofingen gibt es zwei Distanzen: Short Distance und Long Distance. Gemeinsam mit meinem Bruder Felix wägte ich die Teilnahme an der Short Distance, also der Kurzdistanz ab. 10 km Laufen, dann 50 km Radfahren und abschließend ein 5 km Lauf. Wir entschieden etwas überschwänglich, dass uns eine Kurzdistanz zu kurz ist. Also haben wir uns eben für die Langdistanz angemeldet. Was das bedeuten würde, darüber haben wir erstmal wenig nachgedacht.

Die Langdistanz beim Powerman Zofingen wird für uns hart, wie mir in den vergangenen Wochen klar wurde. Sehr hart. Langdistanz  bedeutet 10 km Laufen, anschließend 150 km Radfahren, und zum Abschluss ein 30 km Lauf. Das allein ist schon eine schwer einzuschätzene Herausforderung. Aber dazu kommt – wie ich nach und nach herausfand, dass sowohl Lauf- als auch Radstrecke des Powerman sehr profiliert sind. Die Radstrecke etwa besteht aus einer 50 km Runde, die es dreimal zu absolvieren gilt. Auf jeder dieser Runden sind ca. 650 Höhenmeter zu bewältigen. Insgesamt kommt man also auf knapp 2000 Höhenmeter per Velo. Beim Laufen hat man auf den ersten 10 km ca. 260 Höhenmeter und auf den abschließenden 30 km ca. 750 Höhenmeter vor der Brust. Eine echte Challenge also.

Vermutlich werde ich für diesen Wettkampf über 9 Stunden unterwegs sein. Das bedeutet 9 Stunden Ernährung aus Flaschen und Tütchen. Eine neue Dimension also für mich.

In zwei Wochen ist es soweit. Die wichtigsten Trainingseinheiten sind absolviert. Ich fühle mich bereit. Wenn ich diese Prüfung bestehe, wird das ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Langdistanz-Finish im Juli des kommenden Jahres. Wenn nicht… das ist keine Option.

Update

Mittlerweile haben wir es hinter uns. Den Bericht gibt es hier.

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Saisonhöhepunkt Halbdistanz – Schlosstriathlon in Moritzburg

DSCN1389 Noch zweimal schlafen, dann ist es mal wieder soweit. Ein weiterer Beitrag aus der Kategorie “Mein erster…” kann geschrieben werden. Vorausgesetzt ich bestehe diese Prüfung. Die anspruchsvollste, der ich mich bisher gestellt habe. Eine Halbdistanz im Triathlon. 1,9 km Schwimmen, 95 km Radfahren, und zum Abschluss 21,1 km Laufen das werden die Aufgaben am kommenden Samstag in Moritzburg (Dresden) sein. Ich schätze dafür werde ich 5 1/2 Stunden unter Wettkampfbedingungen unterwegs sein. Im Vergleich dazu war ich bei meinem bisher längstem Wettkampf – meinem ersten Marathon, Dresden 2009 – gut 3 1/2 Stunden unterwegs. Das sind zwei Stunden weniger. Dafür sind Multisportwettkämpfe um ein Vielfaches kurzweiliger als ein Marathon.

Unbenannt-1 (2)Diesmal fühle ich mich sehr gut vorbereitet. Das Schwimmen werde ich überstehen, da bin ich mir ziemlich sicher. Obwohl meine erste Saison, fühle ich mich auf dem Rennrad schon  so wohl, dass es meiner liebsten Disziplin – dem Laufen – langsam den Platz streitig macht.

Als Vorbereitungswettkämpfe habe ich in diesem Jahr den Marathon in Mailand (42,2 km), den Geiseltal-Duathlon (6/22,5/3 km), das Einzelzeitfahren in Salzmünde (30,5 km) und den Bärentriathlon in Bernburg (Olympische Distanz, 1/40/10 km) bestritten. Für den Abschlusstest bin ich am vergangenem Samstag mit dem Rennrad von Halle nach Bitterfeld gefahren, um dort am Goitzschesee-Rundlauf (25 km) teilzunehmen. Alle absolvierten Wettkämpfe lassen hoffen.

Wenn alles passt, so wird der Saisonhöhepunkt Halbdistanz in Moritzburg ein großer Meilenstein für das Projekt “Langdistanz 2012”. Im nächsten Jahr will ich mich in Roth zum “Ironman” machen.

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie es allein schon kribbelt diesen Beitrag zu Schreiben. Drückt mir die Daumen!

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Mein erster Olympischer Triathlon

IMG_1110_1 Eine ganz liebe Mitarbeiterin eines in Bernburg ansässigen Kunden machte mich wenige Tage vor dem Bärentriathlon in Bernburg auf die Veranstaltung aufmerksam. Eigentlich schon viel zu spät, denn die Veranstaltung war schon lange überbucht. Durch ihre Vermittlung gelang es Carsten und mir als “Laktatfreunde Mitteldeutschland” noch zwei der begehrten Startplätze zu ergattern (vielen Dank auch an Frau Taraba). Von Carsten, der hier im letzten Jahr seinen ersten Triathlon überhaupt absolviert hatte, wusste ich um das gehobene sportliche Niveau. Für mich sollte es mein erster “Olympischer” werden. Nicht ganz Olympisch wenn man ehrlich ist denn statt 1,5 km waren hier nur 1 km schwimmend in der Saale zu absolvieren.

IMG_1114_ Wir richteten also unsere Wechselzone her und zwängten uns bei 30°C in unseren Neoprenanzug. Mein erster Wettkampf im Neoprenanzug. Es ging mit einer Fähre saaleaufwärts. Wenige Minuten in sengender Sonne genügten. Schweiß rann aus allen Öffnungen des Neoprenanzuges. Eine Erlösung, als die Fähre endlich geöffnet wurde und wir ins Kühle nass entlassen wurden. Der Start sollte an einer bestimmten Markierung der Saale sein. Wie üblich hielt ich mich im hinteren Drittel des Feldes um dem großem Gedränge aus dem Weg zu gehen. Unterwegs erinnerte ich mich an die Worte von Carsten: Versuch in der Mitte der Saale zu schwimmen um die Strömung optimal zu nutzen. Das war eine gute Entscheidung, denn auf diesem Weg umschwamm ich das Gedränge am Ausstieg bei Leiter eins und konnte direkt bei Leiter zwei aussteigen.

Unbenannt-2__ In der Wechselzone saß Carsten – der mir im Wasser stets überlegen ist – schon bereit um seine Kompressionsstutzen überzustreifen. Durch einen sehr kurzen Wechsel, gelang es mir die Wechselzone einige Sekunden nach ihm zu verlassen. Auf dem ersten Radkilometer konnte ich an Carsten vorbeiziehen. Und von da an lief es sehr gut. Trotz der anfänglichen Unsicherheit was man über 40 km Rad geben kann und soll konnte ich bis zum Ende ordentlich Druck entwickeln. Nach gut der Hälfte der 40 km langen Radstrecke wurde ich von einem Kampfrichter wegen Blocking verwarnt. Der betroffene Athlet, der mich gerade überholen wollte klärte mich  freundlicherweise auf. Aha: Man muss also den  Gegner überholen lassen, wenn sein Vorderrad das Eigene überholt hat. Na gut. Meine durchschnittliche Radgeschwindigkeit betrug 35,4 km/h.

Auf der Laufstrecke war die Hitze dann für alle ein deutliches Handicap. Hier war mein einziges Ziel den Wettkampf möglichst schnell, ohne große Schmerzen “nach Hause” zu laufen. Während es unter den Topathleten einige hitzebedingte Ausfälle zu verzeichnen gab, gelang es mir die 10 km in gut 45 min durchzustehen. So wurde ich 40. von 103 Teilnehmern.

Die Erkenntnisse des Wettkampfes:

  • Regelkunde: Ich weiß jetzt was Blocking ist
  • Auf dem Rad kann ich auch 40 km ohne Leistungsverlust am Limit fahren
  • Ich bin wahrscheinlich ein Hitzeläufer :)

Meine GPS-Daten:

Bärentriathlon – 40 km Rad
Bärentriathlon – 10 km Lauf

 

 

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Der Kampf gegen die Uhr – Einzelzeitfahren in Salzmünde

Unbenannt-1 Nach dem ich mich in den letzten Wochen auf dem Rad zunehmend wohl fühle wollte ich mich dieser Disziplin etwas intensiver widmen. Stephan und Carsten waren bereits in beim “Sparkassen Neuseen Classics – Rund um die Braunkohle” gestartet. Nach ihren Erfahrungen dort und meinen Sturzerfahrungen vom Geiseltal-Duathlon entschied ich mich vorerst gegen einen Start bei einem reinen Radrennen. Das Einzelzeitfahren in Salzmünde dagegen interessierte mich sehr.

Unbenannt-3 Und so starteten Stephan, Matthias, Carsten und ich beim “Kampf gegen die Uhr”. Vor Ort mischten wir uns unter die Sportfreunde der “SG Elbe Saale” und warteten auf unseren Start. Beim Einzelzeitfahren starten die Fahrer alle 30 Sekunden von einer Rampe, wie man es von den Zeitfahren der Tour de France kennt. Da ich weder bei einem Einzelzeitfahren, geschweige denn von einer Rampe gestartet bin hatte ich die ganze Zeit nur den Start im Kopf: Lenker festhalten, rollen lassen und auf der Straße dann Vollgas. Nach dem der Start mit viel Adrenalin gelang, fand ich mich im Rennen und mir wurde bewusst, dass ich mir über alles was nach dem Verlassen der Rampe geschehen sollte gar keine Gedanken gemacht hatte. Also erst einmal Tempo machen.

Auf dem Weg von Salzmünde nach Friedeburg – meiner Trainingsstrecke – hatte ich mit starkem Wind zu kämpfen und tröstete mich damit, dass ich es nach dem Wendepunkt in Friedeburg dafür leichter haben müsste. Doch das war ein Irrtum der Wind schien von überall zu kommen. Vor Allem aber von vorn! Auf dem Rückweg schwanden meine Kräfte bereits. Plötzlich schien es ein Segen zu sein in den einzigen Anstieg des Rennens zu fahren, den Fienstedter Berg.

Unbenannt-2 Und richtig, der Wind war weg. Aber auch mein Tempo. Als ich beim Blick auf meinen Forerunner  19 km/h ablesen musste dachte ich: In jedem Training fahr’ ich hier schneller hoch. Doch am Wendepunkt erkannte ich, dass Matthias sich noch in Schlagdistanz befand. Nach dem ich auf den ersten Kilometern einige Fahrer hinter mir lassen konnte, war im zweiten Drittel weit und breit niemand zu sehen. Also nahm ich mir vor noch so viel wie möglich Boden gut zu machen. Und tatsächlich gelang es mir Matthias wenige Kilometer vor dem Ziel zu überholen. Meine offizielle Zeit wurde auf 50:06 min festgesetzt was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 36,36 km/h entspricht. Schade, die 50:00 min hätte ich gern unterboten. Vielleicht wäre es ohne die Jugendweihefeier meines Neffen Dustin am Vorabend einfacher gegangen :)

Am meisten hat mich Jens Stör von der “SG Elbe Saale” beeindruckt, der eine 48:12 min erreichte. Alles in Allem eine tolle Erfahrung.

Meine GPS-Daten:

30,5 km, Einzelzeitfahren in Salzmünde

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Geiseltal-Duathlon in Braunsbedra

2011.05.08-9 In 2010 hatte ich hier nur aus Spaß meinen ersten Multisportwettkampf absolviert, damals noch mit meinem Crossbike. Doch sofort war klar: Das ist etwas für mich! Also war ich dieses Jahr wieder am Start. Diesmal mit einem echten Rennrad und ordentlich Motivation.

Carsten, Stephan, Matthias und ich gingen als “Laktatfreunde Mitteldeutschland” auf die 6 km Laufstrecke, 22,5 km Rad und anschließend wieder auf einen 2,5 km Lauf. Carsten und Stephan entschieden sich für die taktische Variante, das Pedalsystem gegen Schlaufen zu tauschen, um auch die Radstrecke in Laufschuhen absolvieren zu können. Ich hingegen wollte mein Material und die Wechsel im Hinblick auf die Halbdistanz in Moritzburg testen. Zudem galt es ein Gefühl für die Tempogestaltung auf der Radstrecke und den Wechsel zum Laufen zu bekommen.

Unbenannt-3 Bei strahlendem Sonnenschein versuchte ich mich nach dem Startschuss an Stephan zu hängen, da ich mich in der Vorbereitung von seiner guten Laufform überzeugen konnte. Doch nach den zwei zu absolvierenden Stadionrunden musste ich ihn langsam ziehen lassen. In der Wechselzone hatte er den erwähnten taktischen Vorteil, aber es gelang mir ihn nach wenigen Kilometern auf dem Rad mit deutlichem Geschwindigkeitsüberschuss zu überholen. Dann geschah es: Vor einer scharfen Rechtskurve geriet ich beim Anbremsen ins Schleudern, kollidierte mit einem Konkurrenten und überschlug mich. Da war er also mein erster Radsturz. Nach kurzer Orientierungslosigkeit wimmelte ich die heraneilenden Streckenposten ab, setzte mich auf mein Rad und konnte glücklicherweise weiterfahren.

DSC_0712 Kein Schaden, nur Lenkerband und der Sattel hatten etwas abbekommen wie sich später herausstellte hatte ich fast unverschämtes Glück. Und im ersten Moment hatte ich auch keinerlei Schmerzen. Das entstandene Adrenalin konnte ich ziemlich gut in Vortrieb umwandeln. Schon am folgenden Anstieg konnte ich einen der vorbeigefahrenen Gegner wieder einholen. Auch Stephan konnte ich bald wieder hinter mir lassen. Der zweite Wechsel klappte problemlos. Auf den abschließenden 2,5 km lief ich das Rennen ohne große Probleme nach Hause.

Sehr überrascht war ich, als ich trotz meines Radsturzes bei der Siegerehrung als Sechster in der Jedermann-Wertung geehrt wurde. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Am Ende stehen drei Erkenntnisse:

  • Auf dem Rad muss ich mich nicht verstecken
  • Ich habe meine erste Multisportplatzierung erreicht
  • Die Laktatfreunde Mitteldeutschland sind geboren

Meine GPS-Daten:

Geiseltal-Duathlon – 6 km Lauf
Geiseltal-Duathlon – 22,5 km Rad
Geiseltal-Duathlon – 3 km Lauf

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Neuer Laufschuh: Nike Lunarracer 2

007 Auf der Suche nach einem neuen, noch leichterem Laufschuh bin ich endlich fündig geworden. Ich hatte schon länger ein Auge auf den Lunarracer von Nike geworfen. Nun ergänzt er wie erwartet ideal meinen Bestand (Nike Lunarglide, Nike Lunarglide 2, Nike Vomero). Nach den ersten Testläufen kann ich ein Fazit abgeben. Der Schuh ist wirklich federleicht, verfügt aber dennoch über angenehme Dämpfung.

Der Schuh ist nicht im Gelände oder schlechtem Pflaster zuhause, da zu Gunsten des Gewichtes der Gummianteil der Sohle stark reduziert ist. Er gehört auf die Tartanbahn oder auf den Asphalt. Bei mir wird der Schuh bei schnellen Läufen, Tempotraining und in Wettkämpfen zum Einsatz kommen. Ich habe den Schuh sehr günstig – wie schon Andere vorher – bei SP24.com erstanden.

Update

Ich habe den Schuh auf der Briefwaage gewogen. Er wiegt 184 Gramm. 

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